Für Finanzdienstleister ist es in der Regel schwierig, die Bonität, also die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers (folgend auch Kunde genannt) einzuschätzen. Welchen Kreditzins der Kreditnehmer erhält, hängt auch von seiner Bonität ab. Die Methoden zur Risikobeurteilung, also die Art und Weise der Erkennung, Einschätzung und Bewertung von Risiken, sind die Risikoinventur und das Scoring, auf dem als Ausbaustufe das Rating aufsetzt.

Ziel der Risikoinventur ist es, die Risiken hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe zu beurteilen. Das Scoring ist dagegen ein analytisch-statistisches Verfahren, das auf Basis von Erfahrungswerten Risikoeinschätzungen auf einer vorgegebenen Skala ermöglicht. Die im Zuge von Basel II eingeführten Ratingverfahren gehen noch einen Schritt weiter und markieren die Scoringverfahren ergänzt um Ausfallwahrscheinlichkeiten von Krediten.

Ein sogenanntes Rating ermittelt also bei Firmenkunden, wie kreditwürdig der Kunde ist. Das Ergebnis schlägt sich in einer Rating-Note nieder.

Die Vorgaben der Bankenaufsicht zum Eigenkapital besagen: Je besser die Bonität eines Kunden ist, desto weniger Eigenkapital muss die Bank für deren Kredite zurücklegen.

Die Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel hat mit "AAA" (auch Tripple-A genannt) das höchstmögliche Bonitäts-Rating. Anleihen mit einem AAA-Rating gelten als nahezu risikolos. Je weiter ein Schuldner vom AAA-Rating entfernt ist, desto größer wird das Ausfallrisiko. Als ausreichend sicher für Privatanleger gelten bestenfalls Anleihen, die mindestens mit "BBB" abschneiden.

Mein vorrangiges Ziel war es, die Projektleitung bei der Steuerung der Zielgröße Test im Projekt zu unterstützen. Zusammen mit der Qualitätsbeauftragten verantwortete ich zusätzlich die rechtzeitige Eskalation bei auftretenden Test- bzw. Qualitätsproblemen.

Aber alles der Reihe nach:

Es galt drei fachliche Arbeitspakete hinsichtlich der Zielgröße „Test“ zu koordinieren.

  1. AntragsKKR (AKKR)
    In der Antragssituation sollen Kunden mit dem AntragsKKR bewertet werden.
  2. Immobiliengeschäfts-Rating (SIR)
    Das Immobiliengeschäfts-Rating (SIR) ermöglicht den Banken eine bestmögliche Einschätzung von Finanzierungen gewerblicher Immobilien. Hierfür werden im SIR sowohl die Kunden (Bonitäts-Rating) als auch die Objekte (Objektrating) betrachtet. Damit das SIR seine Anwendung findet, muss der Kunde seinen Cashflow überwiegend aus kommerziellen Immobilien generieren. Eine kommerzielle Immobilie liegt dann vor, wenn der Immobilie Erträge in Form von Mieten, Pachten oder Verkaufserlösen direkt zugeordnet werden können.
  3. Kunden-Kompakt-Rating (KKR)
    Gewerbliche Kunden mit geringen und mittleren Obligo können mit dem Kunden-Kompakt-Rating (KKR) vollautomatisch geratet werden.

Um meiner Verantwortung als Testmanager gerecht zu werden, erstellte ich zunächst ein Testkonzept. Mittels dieses Konzeptes bestimmte ich die Abgrenzungen, Vorgehensweise, eingesetzte Mittel und den Ablaufplan der Testaktivitäten. Aus dem Testkonzept heraus wurden die Testobjekte, die zu testenden Features und die Testaufgaben identifiziert. Damit bildete das Testkonzept die Grundlage, auf der die Testorganisation sowie die Testinfrastruktur bereitgestellt und die Tests durchgeführt werden sollten.

Glück muss der Mensch haben … so konnten die bereits verfügbaren und klassischen Teststufen (Unittest, Integrationstest, Systemtest sowie Abnahmetest) hinsichtlich der Testinfrastruktur genutzt werden.

Das Erstellen der einzelnen Testaufträge erfolgt in enger Abstimmung mit dem Fach- und Testteam. Dabei galt es, die genannten Ratingverfahren (AKKR, SIR, KKR, STR) zeitgleich zu koordinieren, die Testaktivitäten zu bearbeiten und zu überwachen.

Die Überwachung diente dem periodischen Reporting an die Projektleitung und dem Auftraggeber. Basierend auf entsprechenden Statusübersichten berichtete ich über den Testfortschritt und den aktuellen Stand bzgl. etwaiger Abweichungen gegen das in den Anforderungen spezifizierte SOLL.

Die eigentliche Berechnungsfunktionalität übernahm der sogenannte Rating-Kernel. Dieser musste nicht nur entwickelt und getestet werden, sondern wurde einem Third Party Provider ausgeliefert, damit dieser den Kernel für das Landesbanken-Rating nutzen kann. Der Kernel-Test erfolgte automatisiert mit verschiedenen Steuerdateien.

Weitere Besonderheiten waren die parallele Einführung einer Oberflächen-Testautomation und die Migration des Altdatenbestands, welcher durch schier unendliche Migrationsregeln auch im Testvorgehen eine besondere Aufmerksamkeit genoss.

Oberflächen-Testautomation

Aufgrund der Komplexität der Ratingverfahren bzw. der Anwendungen und des damit verbundenen Testaufwands, war die Umsetzung einer Oberflächen-Testautomation sinnvoll. Zudem sollten dann auch die maschinell erstellten Ratings automatisiert getestet werden.

Der Kunde hatte bereits mit Micro Focus Unified Functional Testing, früher bekannt als QuickTest Professional, ein Automatisierungswerkzeug, sodass sich auf die eigentlichen Automatisierungsanforderungen fokussiert werden konnte. Dabei war der automatisierte Testlauf, der Soll-Ist-Abgleich, nur eine von insgesamt 16 Anforderungen.

Migrationstest

Die genutzte Datenbanktechnologie unterschied sich zwischen der alten Quelldatenbank Oracle und dem neuen Datenbankmanagementsystem DataBase 2 (Db2). Migrationsregeln konnten bei der hohen Anzahl nur automatisiert geprüft werden. Dabei kamen drei eigenentwickelte Automatisierungsmodule zum Einsatz.

  1. Das erste Modul generierte die für den Test notwendigen SQL-Statements.
  2. Das zweite Programmmodul erzeugt auf Grundlage der im ersten Programm erstellten SQL-Statements die dazugehörigen Ergebnisse in Form von Textdateien.
  3. Das dritte Programmmodul verglich abschließend die mit dem zweiten Modul produzierten Ergebnisse der OracleDatenbank mit den Ergebnissen der Db2-Datenbank.

 

Migrationstest
Schematische Darstellung des Migrationstests

 

Und wer nun glaubt, damit sei das Projekt hinreichend komplex gewesen, dem möchte ich noch mitgeben, dass zudem noch die marktführende Softwarelösung für Immobilienbewertung, Baufinanzierung und Datenresearch über eine Schnittstelle angebunden und getestet werden durfte.

Als Testmanager war ich weiter für die Einbindung und Abstimmung mit der Testfactory sowie den Servicemanagern und der Revision verantwortlich.

Auf das Abweichungsmanagement, welches ebenfalls in meiner Verantwortung lag, gehe ich in diesem Beitrag nicht ein. Ebenso wenig auf den Nicht-funktionalen Test, die Code Reviews und die Sicherheitstests.

Es ist unglaublich spannend, als Testmanager zu arbeiten, da es immer wieder neue Situationen und Herausforderungen gibt, die man bewältigen muss. Der Test hört niemals auf. Nach dem Release ist vor dem Release und die Ansprüche verändern sich immer wieder. Es gilt, sich viel mit Menschen auszutauschen, damit sich Erfolge einstellen.

Ich habe selbst den Weg vom Tester über das Testdesign zum Testmanager genommen und kann dies auch jedem anderen im Bereich Test nur nahelegen.

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